Trotz gesundheitlicher Risiken fliegen?

Das Fliegen wird insbesondere bei Senioren immer beliebter, ist man doch in relativ kurzer Zeit und mit wenig Stress an seinem Urlaubsort. Doch mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko, im Flugzeug einen Notfall zu erleiden, weil häufig Vorerkrankungen bestehen, durch die es auf einem Flug zu akuten Komplikationen kommen kann. Vielen Patienten ist nicht bewusst, dass Fliegen eben nicht mit Zugfahren gleichgesetzt werden kann,  weil die Umweltbedingungen an Bord sich deutlich von denen am Boden unterscheiden. In 10000 Metern Höhe nimmt der Luftdruck in der Kabine soweit ab, dass er dem Luftdruck auf einem Berg von etwa 1500 bis 2500 Metern entspricht. Die Folge ist, dass sich in allen Körperhöhlen (z.B. Nasennebenhöhlen, Mittelohr, Magen und Darm) die Luft stark ausdehnt. Gleichzeitig sinkt der Sauerstoffgehalt der Luft, die außerdem sehr trocken ist. Das kann für Patienten mit Herzerkrankungen, Asthma oder Bluthochdruck zu Problemen führen. Durch langes Sitzen und das geringe Platzangebot, verbunden mit zu wenig Flüssigkeitsaufnahme,  steigt zudem das Thromboserisiko.

Notfälle in der Luft sind keine Seltenheit. Schätzungen gehen von 140 bis 400 misslichen Situationen pro Tag weltweit aus. Das lässt vermuten, dass sich die Patienten häufig, wenn es um den Urlaub geht, überschätzen oder ihre Leiden herunter spielen beziehungsweise Risiken in Kauf nehmen. Ratsam ist es jedoch in jedem Fall, vor der Planung einer Auslandsreise mit dem Arzt zu sprechen, der besser einschätzen kann, ob ein Flug in Frage kommt. Das gilt auch für Frischoperierte und Patienten, die vor wenigen Monaten einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben. Kann der Hausarzt keine Flugtauglichkeit bescheinigen, wird die Entscheidung vom medizinischen Dienst der jeweiligen Fluggesellschaft getroffen. Das betrifft auch  größere Verletzungen oder wenn an Bord die Gabe von Sauerstoff notwendig ist.

Patienten sollten auf jeden Fall im Handgepäck ihre Notfallmedikamente dabei haben, ausreichend viel trinken und hin und wieder aufstehen beziehungsweise am Platz Fußgymnastik machen um Thrombosen vorzubeugen. Doch auch wer trotz des Okays des Arztes einen Notfall erleidet, kann darauf vertrauen, dass die Flugzeuge sehr gut medizinisch ausgestattet sind und dass statistisch gesehen in den meisten Fällen ein reisender Arzt an Bord ist.

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