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Milzbrand/Anthrax

Der Milzbrand ist eine bakterielle Infektions-erkrankung, die in erster Linie Huftiere betrifft. Durch engen Kontakt mit erkrankten Tieren oder durch Hantieren mit infizierten Tier-produkten können die Erreger auf den Men-schen übertragen werden. Je nach Eintritts-pforte kommt es zum Haut-, Lungen- oder Darmmilzbrand. Durch Übertreten der Erreger ins Blut entsteht die rasch zum Tod führende Milzbrandsepsis. Die Diagnose ergibt sich aus dem klinischen Bild, aus der Krankenge-schichte und dem Erregernachweis. Die Thera-pie der Wahl ist die frühzeitige Verabreichung von Ciprofloxacin.

 

Definition und Allgemeines

Mit dem Begriff Milzbrand oder auch Anthrax wird eine Erkrankung bezeichnet, die hauptsächlich bei Tieren auftritt und demzufolge als Zoonose bezeichnet wird. Die Bezeichnung ergab sich aus der Beobachtung, dass die Milz bei erkrankten Tieren vergrößert, so wie Schwarzbrot verfärbt ist und wie "verbrannt" aussieht.
Die Erkrankung tritt bevorzugt in warmen Ländern auf. Besonders häufig sind Huftiere, wie Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde betroffen. Eine Übertragung des Milzbrandes auf den Menschen kommt bei Berufsgruppen vor, die engen Kontakt zu diesen Tieren haben oder mit Produkten dieser Tiere, wie Tierhäuten, Fleisch oder Milch in Berührung kommen. In den meisten Fällen ist der Milzbrand daher eine Berufskrankheit. In Deutschland ist diese Erkrankung beim Menschen selten.

 

Biologische Waffe

Wie gefährlich diese Erkrankung allerdings für den Menschen ist, zeigt die Tatsache, dass schon frühzeitig von den Militärs mit Milzbrand als biologischer Waffe experimentiert wurde. So ist noch heute die schottische Insel Gruinard mit dem Erreger so verseucht, dass auch nach über 50 Jahren das Betreten lebensgefährlich und daher strikt verboten war. Erst 1986 wurde die Insel wieder freigegeben. Hier wurden im 2. Weltkrieg von den Briten entsprechende Versuche mit dem Milzbranderreger vorgenommen. Heutzutage besitzen eine Reihe von Staaten Milzbranderreger als Kampfmittel, die z.B. mit Granaten verschossen oder mit Raketen über große Entfernungen an ihr Ziel gebracht werden können. Auch terroristische Anschläge, z.B. über das Trinkwassersystem einer Großstadt, über Klimaanlagen oder, wie nach dem 11.September 2001 in den USA begonnen, mit Hilfe von kontaminierten Briefen, sind vorstellbar und möglich. Eine großflächige Verseuchung z.B. mittels Flugzeugen ist zwar vorstellbar, gilt aber als außerordentlich schwierig, da die Erreger speziell aufbereitet werden müssen. Nur wenige spezielle Labors verfügen über die nötige Ausstattung dazu. Die Aktualität dieser Gefahr haben insbesondere die USA schon seit längerem erkannt und damit begonnen, besonders gefährdete Soldaten gegen Milzbrand zu impfen.

 

Erreger

Der Milzbranderreger wurde 1855 von Pollender entdeckt und 1876 von Robert Koch als erster im Labor gezüchtet. Es handelt sich bei dem Erreger um ein grampositives, aerob lebendes, d.h. Sauerstoff verbrauchendes und sporenbildendes Stäbchen, den Milzbrandbazillus Bazillus anthracis. Unter Sporen versteht man eine Lebensform der Bazillen, in der diese die Lebensfunktionen extrem reduziert haben. Sporen werden von Bakterien (Bazillen), gebildet, wenn die Erreger unter "Stress", wie z.B. erhöhte Temperaturen oder Nahrungsmangel, geraten. Die Bakterien verringern dann ihren Stoffwechsel und bilden eine festere Zellwand aus. In diesem Minimalzustand können die Erreger ohne Zellteilung Jahre überstehen. Die zur Infektion über die Lunge notwendige Dosis pro Person ist relativ hoch und liegt insgesamt bei etwa 8000 - 50.000 Bazillen.

 

Entstehungsweise

Der Milzbrandbazillus ist auf Grund einer speziellen Eiweißkapsel (Polypeptidkapsel) in der Lage, wichtigen Abwehrmechanismen der menschlichen oder tierischen Zellen zu entgehen (Phagosomenflüchter). Er bildet vor allem bei seiner Zerstörung Giftstoffe (Exotoxine), die an die Umgebung abgegeben werden. Diese Giftstoffe schädigen die Blutgefäße bis in die kleinsten Aufzweigungen, die Kapillaren, so dass die Gefäße für rote Blutkörperchen (Erythrozyten) durchlässig werden. Die Folge davon sind sowohl eine Entzündungsreaktion als auch eine Blutung. Beides äußert sich als eine blutdurchtränkte Schwellung, also ein hämorrhagisches Ödem des betreffenden Gewebes. Bevorzugt betroffen sind die Lunge, der Darm und die Haut.

 

Inkubationszeit

Sie beträgt wenige Stunden bis mehrere Tage, gelegentlich sogar bis zu 60 Tage, vor allem nach Inhalation durch Sporen.

 

Symptome

Die Symptome des Milzbrandes sind abhängig von dem jeweiligen Ansteckungsort. Die Ansteckung kann durch direkten Hautkontakt, durch das Einatmen von Sporen oder durch den Verzehr von erkrankten Tieren bzw. Tierprodukten geschehen.
Die häufigste Milzbranderkrankung beim Menschen ist der Hautmilzbrand. Durch direkten Kontakt gelangen Milzbrandsporen in kleine oberflächliche Hautverletzungen. Nach kurzer Zeit entsteht ein rotes Knötchen mit einem schwarzen Zentrum. Daraus entwickelt sich schnell ein eitergefülltes Bläschen. Mit einer weiteren Ausdehnung der Erkrankung treten neue Bläschen auf und verschmelzen schließlich miteinander zum Milzbrandkarbunkel (Pustula maligna). Wenn ein solches Karbunkel Anschluss an ein Blutgefäß bekommt, kann dies zu einer Sepsis, im Volksmund als "Blutvergiftung" bezeichnet, führen.
Eine wesentlich seltenere Milzbranderkrankung beim Menschen stellt der Lungenmilzbrand dar. Die Infektion erfolgt hier durch das Einatmen von Sporen. Sie haften oft an Tierhäuten und Tierhaaren und sind meist über Jahre ansteckend. Der Lungenmilzbrand verläuft wie eine schwere Lungenentzündung mit starkem blutigem Auswurf, der hochgradig ansteckend ist. Die Patienten haben hohes Fieber, häufig Schüttelfrost, Husten und Atemnot. Der Lungenmilzbrand endet unbehandelt meist tödlich.
Die 3. Möglichkeit einer Milzbranderkrankung beim Menschen besteht im Darmmilzbrand. Er entsteht durch den Verzehr von rohem Fleisch oder ungekochter Milch von erkrankten Tieren. Im Vordergrund stehen hier blutiges Erbrechen und blutige Stühle aufgrund der schweren hämorrhagischen Darmentzündung. Auch diese Form der Erkrankung endet meist tödlich.

 

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der Krankengeschichte, z.B. Tierkontakte, Beruf und den Symptomen. Die Diagnose wird durch eine mikroskopische Untersuchung mittels Gramfärbung und durch eine Untersuchung von Körpersekreten bzw. Abstrichen gesichert. Je nach Erkrankungsart untersucht man die Flüssigkeit aus Bläschen, Blut, abgehustetem Bronchialsekret sowie Stuhl und legt eine Kultur zur Anzucht der Erreger an.

 

Komplikationen

Aus allen 3 Milzbrandformen kann sich eine Milzbrandsepsis entwickeln mit Fieber, Schüttelfrost, Hautblutungen, Milzvergrößerung und Kreislaufschock. Diese Sepsis führt sehr schnell zum Tode.

 
Therapie

Die Behandlung muss so früh wie möglich begonnen werden.
Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA empfiehlt, die Gabe von hoch dosiertem Ciprofloxacin, das z.B. von der Firma Bayer unter den Namen Ciprobay und Ciproxin vertrieben wird.
Darm oder Lungenmilzbrand: 500 mgr. Tabletten Ciprofloxacin, zweimal täglich für 60 Tage
Alternativ können Penicillin G, Tetracyclin, Erythromycin oder Chloramphenicol verwendet werden.
Hautmilzbrand: 5-8 Mill. Einheiten Penicillin G pro Tag intravenös für 1-2 Wochen
Chirurgische Eingriffe bei Hautmilzbrand sind strikt verboten, da sie die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Erkrankung in Form einer Sepsis bergen. Patienten müssen isoliert werden. Im Krankenhaus besteht für das Personal die Pflicht, Handschuhe zu tragen.

 
Prophylaxe, Impfungen

Die wichtigste Form der Prophylaxe ist die Vermeidung des Kontaktes mit erkrankten Tieren und ihren Produkten. Die Meldepflicht ist unbedingt einzuhalten. Sie erstreckt sich auf die Meldung des Krankheitsverdachtes, der Erkrankung selbst sowie den Tod durch Milzbrand.
Der Milzbrand der Haut wird über kleine Wunden in der Haut übertragen. Er ist heilt meist mit Behandlung durch Antibiotika ab. Je nach Autor können unbehandelt 5-20% der Patienten versterben.
Gegen die Inhalation des Erregers, der z.B. zum Lungenmilzbrand führt, kann man sich mit einem speziellen Mundschutz (wie er auch von Chirurgen bei Operationen verwendet wird) recht gut schützen. Einen derartigen Mundschutz kann man in Apotheken erhalten oder im auch im Internet bestellen. Diese Masken haben eine Porengröße von 0,6µm, wohingegen die Sporen im ungünstigsten Fall in einer Größe von 1-5µm vorliegen.
Falls ein verdächtiger, mit Puver gefüllter Brief auftaucht, rät das Robert Koch Institut in Berlin: das Pulver nicht einatmen, nicht anfassen, nicht verschlucken und die Polizei und Feuerwehr benachrichtigen.
Louis Pasteur hat 1881 in dem berühmten Feldversuch von Pouilly-Le-Fort die Wirksamkeit eines Impfstoffes, der aus inaktivierten Bakterien bestand, an Tieren nachgewiesen. Ein zugelassener Impfstoff existiert wegen zahlreicher Nebenwirkungen und unkalkulierbaren Risiken weltweit bisher nicht. Besonders gefährdete Soldaten der US-Streitkräfte werden jedoch, wie oben erwähnt, seit einigen Jahren geimpft.

Quelle: www.medicine-worldwide.de

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zuletzt aktualisiert am 02/11/2017
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