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Themenbereich Schmerzen - Kopfschmerzen

Kopfschmerzen - Eine Volkskrankheit

Hierzu ein paar Zahlen und Fakten:
Fast 71,4 Millionen Menschen leiden zeitweise an Kopfschmerzen. Schmerzmittel gehören zu den meist verlangten Medikamenten und die wenigsten gehen deswegen zum Arzt. Doch oftmals treten Kopfschmerzen über Jahre und Jahrzehnte hinweg auf. Sie zerstören das berufliche, soziale und private Leben. Eine fehlerhafte Behandlung kann zudem zu erheblichen Nebenwirkungen führen und langfristig Schäden hervorrufen.

 

Welche Kopfschmerzarten gibt es?

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.

Bei den primären Kopfschmerzen, z.B. Migräne oder Spannungskopfschmerzen handelt es sich um ein eigenständiges Krankheitsbild. Sie werden nicht von einer anderen Krankheit verursacht.

Sekundäre Kopfschmerzen sind dagegen die Folge einer anderen Erkrankung wie z.B. Bluthochdruck, Grippaler Infekt, Sehstörungen, Tumore. Hierbei sollte in erster Linie die Ursache, nämlich die andere Erkrankung, behandelt werden.

Bei primären Kopfschmerzen unterscheidet man zwischen Migräne und Spannungs-kopfschmerzen:

 Unterscheidungsmöglichkeiten

  Spannungskopfschmerz Migräne
Auftreten uncharakteristisch anfallsartig
Ort beidseitig meist einseitig
Art des Schmerzes dumpf drückend 
Schraubstockgefühl
pulsierend pochend
Begleiterscheinungen selten Übelkeit 
kein Erbrechen
Übelkeit, Erbrechen 
lärm-, lichtempfindlich
bei körperliche Arbeit keine Verstärkung 
evtl. Besserung
Verstärkung
Dauer 30 Min bis 7 Tage 4 bis 72 Stunden
Arbeitsfähigkeit leicht eingeschränkt stark eingeschränkt
Auftreten in jedem Alter 

trifft beide Geschlechter

Beginn zwischen 10. und 20. Lebensjahr 
ab 50 sehr selten 
2 mal häufiger bei Frauen

 

Ursachen und Auslöser von Kopfschmerzen

1. Spannungskopfschmerzen
Verspannungen im Hals-/Nackenbereich können die Ursache sein, müssen es aber nicht. Neue Forschungsergebnisse weisen auf eine Störung im Neurotransmitterhaushalt - das sind die Botenstoffe im Gehirn - hin. Der Botenstoff Serotonin scheint die Hauptrolle zu spielen. Wird zu wenig produziert oder ist der Verbrauch an Serotonin erhöht, so sinkt die Schmerzschwelle im Gehirn. Für einen erhöhten Verbrauch kommen viele Faktoren als Auslöser in Frage:

  • Dauerstreß
  • muskulärer Streß durch z. B. Fehlhaltung, monotones Sitzen am Arbeitsplatz, ungünstige Schlafposition
  • Medikamentenmißbrauch
  • zu wenig Schlaf
  • Funktionsstörungen des Kauapparates
  • Depressionen, Angst
  • Wetterwechsel

2. Migräne
Die Auslöser hierfür sind oft sehr unterschiedlich. Oftmals ist das Führen eines Kopfschmerzkalenders hilfreich. Zu den auslösenden Faktoren gehören:

  • Lärm, Gerüche, grelles Licht
  • Wetter (Fön, Schwüle)
  • Hormone (Periode, Eisprung, Hormonpräparate)
  • Streß (Streßabfall am Wochenende, nach Streit)
  • zu viel oder zu wenig Schlaf
  • bestimmte Nahrungsmittel (Käse, Schokolade oder Glutamin)
  • Hunger
  • Koffeinmangel
  • Genußmittel (Nikotin, Alkohol, insb. Rotwein)

Migräne ist keine Erbkrankheit. Sie tritt familiär gehäuft auf, das heißt, daß bei ca. 50% der Migränepatienten ein anderes Familienmitglied auch an Migräne leidet. Zum Vergleich liegt die familiäre Häufigkeit bei Spannungskopfschmerzen bei ca 20%.

3. Schmerzmittelbedingte Kopfschmerzen
Durch regelmäßige Einnahme (3 bis 4 mal pro Woche) von Schmerzmitteln, insbesondere solche mit Coffein oder ergotaminhaltige Migränezäpfchen, können Dauerkopfschmerzen ausgelöst werden. Hier hilft nur ein Medikamentenentzug unter ärztlicher Aufsicht. Es gilf folgende Regel: Schmerzmittel max. an 10 Tagen im Monat

4. Kopfschmerzen als Nebenwirkungen von Arzneimitteln
Daneben können andere Medikamente Kopfschmerzen auslösen, z.B.

  • Nitrate (bei Angina pectoris, Bluthochdruck)
  • Calciumantagonisten wie Nifedipin (Herzmittel)
  • Hormonpräparate
  • einige Antibiotika
  • Theophyllin (Asthmamittel)

 

Wann sollten Sie wegen Kopfschmerzen zum Arzt?

 Ein Arztbesuch ist zu empfehlen, wenn 

  • Kopfschmerzen zum ersten Mal auftreten oder über Tage bzw. Wochen anhalten
  • die Kopfschmerzen schlagartig oder besonders heftig auftreten
  • die Beschwerden mit normalen freiverkäuflichen Schmerzmittel aus der Apotheke nicht kontrollierbar sind
  • Symptome hinzukommen, wie Taubheitsgefühl, Sehstörungen, Lähmungen
  • die Schmerzen an mehr als 10 Tagen im Monat auftreten

Bei mehr als 95% aller Kopfschmerzpatienten kann nach sorgfältiger Erhebung der Vorgeschichte und einer gründlichen körperlichen Untersuchung die Ursache des Kopfschmerzes abgeklärt werden. Die Erhebung der Vorgeschichte ist zeitaufwendig. Sie können Ihrem Arzt die Arbeit erleichtern, wenn Sie folgenden Fragebogen ausgefüllt mit zum Arzt nehmen.

Stellen Sie außerdem eine Liste der Medikament zusammen, die Sie gegen Ihre Kopfschmerzen genommen haben.

Bitte machen Sie sich vor dem Arztbesuch Gedanken zu folgenden Fragen: 

  1. Name
  2. Alter
  3. Wie häufig sind die Kopfschmerzen?
  4. Wie alt waren Sie, als die Kopfschmerzen erstenmals auftraten?
  5. Wo sitzt der Schmerz?
  6. Was für einen Charakter hat der Schmerz (pulsierend, stechend....)?
  7. Was löst die Kopfschmerzen aus?
  8. Was für Begleiterscheinungen treten auf?
  9. Wie lange dauern die Kopfschmerzattacken?
  10. Was nehmen Sie dagegen ein (Name des Präparates, Menge)?
  11. Welche Medikamente haben Ihnen nicht geholfen (Name des Präparates)?
  12. Können Sie bei Ihren Kopfschmerzen noch Ihrer Arbeit nachgehen?
  13. Welche Ärzte haben Sie schon aufgesucht und zu welchem Ergebnis sind diese gekommen?

 

Tips bei der Behandlung und Einnahme von Schmerzmitteln

1. Kopfschmerzmittel nur kurzfristig einnehmen

Kopfschmerzmittel sollten maximal an 10 Tagen im Monat genommen werden

2. Dosis richtig wählen

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt drei Substanzen in folgenden Mengen:
- Acetylsalicylsäure 1000 mg
- Paracetamol 1000 mg
- Ibuprofen 400 mg

Hierbei sollten Sie nicht an der empfohlenen Menge (s. o.) sparen, sondern diese Mengen auf einmal nehmen. Bei zu geringer Dosierung laufen Sie Gefahr unter der Schmerzschwelle zu bleiben, das heißt, die schmerzlindernder Wirkung bleibt aus oder ist unvollständig. Darauf hin werden meist in kurzem Zeitabstand weitere Schmerzmittel genommen, ohne daß die erwünschte Wirkung erzielt wird. Sparen Sie nicht am falschen Ende!

3. Zeitpunkt der Einnahme beachten

  • Migräne:
    Die Behandlung sollte möglichst frühzeitig - schon bei den ersten Anzeichen - beginnen.
  • Spannungskopfschmerzen:
    Die Behandlung sollte erst einsetzen, wenn die Schmerzen zu stark werden und andere Verhaltensmaßnahmen nicht ausreichen.

4. Geeignete Darreichungsform auswählen

Bei Migräne sollten die Schmerzmittel entweder in Form von Brausetabletten oder als Zäpfchen zugeführt werden. Beide haben den Vorteil, daß Ihr Magen so wenig wie möglich belastet wird. Bei Brausetabletten tritt die Wirkung zu dem sehr schnell ein. Bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp spielt die Darreichungsform eine untergeordnete Rolle. Natürlich können Sie auch Tabletten nehmen, aber dann bitte immer mit einem großen Glas Wasser. Dann wird Ihr Magen geschont und die Wirkung tritt schnell ein.

 

Verhaltensregeln und vorbeugende Maßnahmen

A. Verhaltensregeln

  • bei der akuten Migräneattacke
    Leichte Migräneattacken können Sie durch Reizabschirmung, beispielsweise durch sich zurückziehen in ein abgedunkeltes, ruhiges Zimmer, versuchen zu behandeln. Leider hat man dazu im Alltag nicht immer die Möglichkeit, insbesondere im Berufsleben ist dies nur selten möglich. Wenn die Schmerzen nicht zu intensiv sind, können sie zu Hause mit Eisbeuteln behandelt werden.
  • bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp
    Wenn Sie die Möglichkeit haben, gehen Sie an die frische Luft und machen Sie einen Spaziergang. Hilfreich können auch kalte Arm- und Fußbäder sein. Ebenso wie bei der Migräne helfen Eisbeutel und kalte Umschläge um die Stirn. Im Gegensatz zur Migräne bringt leichte sportliche Bewegung an der frischen Luft oftmals Linderung.

B. Vorbeugende Maßnahmen

1. bei der Migräne

  • Finden Sie Ihre persönlichen Migräneauslöser heraus und vermeiden Sie diese
  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch
  • Behalten Sie Ihren Wach-Schlaf-Rhythmus bei, auch am Wochenende
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Tagesablauf
  • Treiben Sie Sport
  • Vermeiden Sie psychische und körperliche Überforderung
  • Lernen Sie mit Streßsituationen umzugehen
  • Trainieren Sie Entspannungsübungen

2. bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp

  • Achten Sie auf eine richtige Sitzhaltung und Schlafhaltung
  • Treiben Sie Sport, eventuell bestimmte Muskelpartien trainieren
  • Legen Sie bei langen Autofahrten Pausen mit gymnastischen Übungen ein
  • Achten Sie auf eine geeignete Matratze
  • Vermeiden Sie psychische und körperliche Überforderung
  • Lernen Sie mit Streßsituationen umzugehen
  • Trainieren Sie Entspannungsübungen

 

Kopfschmerzen - Alternative Behandlungsmethoden

Alternative Behandlungsmethoden

1. Progressive Muskelentspannung

Die Progressive Muskelentspannung geht auf den Neurologen Edmund Jacobson zurück, der diese Methode bereits 1909 entwickelte. Dabei werden durch die aufeinanderfolgende Anspannung und Entspannung der verschiedenen Muskelgruppen Spannungszustände gelöst und eine tiefe Entspannung erzeugt. Die Progressive Muskelentspannung verbessert die Durchblutung der gesamten Muskulatur, senkt die Schmerzempfindlichkeit, vermindert seelische Anspannung und Nervosität, hilft den Alltagsstreß besser zu bewältigen und vermindert bzw. beseitigt Einschlafstörungen. Die Technik der Progressiven Muskelentspannung ist schnell und einfach zu erlernen. Sie läßt sich ohne Vorübungen, ohne großen Zeitaufwand und ohne Hilfsmittel überall und jederzeit durchführen.

2. Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp

Seit kurzem liegen systematische Untersuchungen zur Anwendung von Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen vor (Studie der Neurologie der Universität Kiel) Pfefferminzöl beeinflußt die Schmerzbotenstoffe (z.B. Serotonin) im Gehirn, wirkt entspannend auf die Muskulatur, erhöht die Durchblutung des schmerzenden Muskels und setzt die Schmerzreflexe und Schmerzempfindlichkeit herab. Die Anwendung des Öls erfolgt großflächig auf Stirn und Schläfen und ist zweimal (nach 15 und 30 Minuten) zu wiederholen. Wenn Sie die Dauer der Behandlung einhalten, gibt es zwischen der Wirksamkeit von einem Schmerzmitteln wie 1g Paracetamol und 100%-igem Pfefferminzöl keinen Unterschied.

3. Autogenes Training

Ziel des Autogenen Trainings ist es, eine Entspannung des gesamten Organismus zu erreichen. Diese Methode muß unter fachlicher Anleitung systematisch gelernt und regelmäßig geübt werden.

4. Biofeedback

Mit Hilfe der Biofeedback-Therapie können Sie lernen, bewußt solche Körperfunktionen zu beeinflussen, die sich normalerweise nicht willentlich beeinflussen lassen. Auch diese Methode muß unter fachlicher Anleitung erlernt werden. Zunächst mißt der Therapeut Ihre Aktivität der Kopfmuskulatur und Ihren Pulsschlag. Über einen Bildschirm erhalten Sie eine Rückmeldung (feedback) über Ihre Körperfunktionen. Anschließend lernen Sie, diese gezielt zu lenken und so bewußt Migräneattacken zu mindern.

5. Akupunktur

Die Wirkungsweise dieses alten chinesischen Heilverfahrens ist noch nicht bekannt. Durch das Einstechen von Nadeln in bestimmte Hautregionen soll die eigene Schmerzabwehr aktiviert werden. Die Meinungen der Fachleute und die Erfahrungen von Betroffenen gehen hier sehr weit auseinander. Es scheint zumindest so, daß zu Beginn einer Behandlung die Häufigkeit der Attacken abnimmt. Ein eindeutiger Effekt bei längerer Behandlung konnte bisher nur selten beobachtet werden.

6. TENS-Behandlung

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) ähnelt in ihrer Wirkung der Akupunktur. Statt Nadeln verwendet der Therapeut Elektroden, die an bestimmten Hautpunkten aufgelegt werden. Mit Hilfe eines kleinen Gerätes können Sie sich auch selbst zu Hause behandeln. Das TENS-Verfahren scheint zumindest bei Spannungskopfschmerzen sinnvoll zu sein.

7. Streßbewältigungstraining

Hierbei wird davon ausgegangen, daß belastende Alltagssituationen, die mit Streß und Hektik verbunden sind, Migräneanfälle auslösen können. Beim Streßbewältigungstraining lernen Sie, streßauslösende Situationen zu erkennen und zu vermeiden bzw. in belastenden Situationen ein anderes Verhalten aufzubauen.

 

Der Kieler Kopfschmerzkalender

In jedem Fall hilfreich ist es, den Kieler Kopfschmerzkalender zu führen. Dieser Kopfschmerzkalender erleichtert zum einen dem Arzt die Diagnose und damit die Wahl der geeigneten Behandlungsform wesentlich. Zum anderen bietet er Ihnen Hilfestellung bei der Einteilung des Kopfschmerztyps und der Ursachenforschung. Wie in einem Tagebuch halten Sie genauestens fest, wann Kopfschmerzen auftreten mit Datum und Uhrzeit. Sie dokumentieren, in welchem Kopfbereich die Schmerzen sitzen, wie lange die Kopfschmerzen anhalten, welche Behandlung versucht und mit welchem Erfolg erzielt wurde, was Sie gegessen haben oder was Ihnen sonst noch wichtig erscheint im Zusammenhang mit Ihren Kopfschmerzen.
 

Wir haben den Kalender im PDF-Format hier für Sie zum Download vorbereitet.

Ein weiterer Effekt des Kieler Kopfschmerzkalenders:
Nicht-medikamentöse (alternative) Behandlungsmethoden.

Zur Vorbeugung und Behandlung von Spannungskopfschmerzen und Migräne gibt es neben der medikamentösen Behandlung auch alternative Methoden. Diese können die Arzneimitteltherapie meist nicht ersetzen, aber ergänzen. Eine Verminderung des Schmerzmittelgebrauchs ist sehr häufig möglich.

 

 
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zuletzt aktualisiert am 02/11/2017
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